Hakone – Young Germany Japan

Blog: ドイツ大使が見た日本
Hakone

© Hans Carl von Werthern
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Manches versteht man erst, wenn man es sieht. Die Begeisterung der Japaner für die Kirschblüte ist ein Beispiel, ich habe darüber geschrieben. Mount Fuji ist ein weiteres: Ich habe ihn oft gesehen, aus der Nähe und aus der Ferne, und jedes Mal wieder bin ich überwältigt, wenn er sich vor mir erhebt.

Für die Japaner ist er ein heiliger Berg. Im Shintoismus kann alles beseelt sein, auch Bäume, Felsen, Flüsse und eben Berge. Und wenn man ihn sieht mit seiner fast perfekten Kegelform, seinem so gut wie immer schneebedeckten Gipfel und seiner majestätischen Erscheinung, dann ist man ehrfürchtig auch dann, wenn man nicht dem Shintoismus anhängt.

Zur Faszination gehört natürlich auch, dass man nie sicher sein kann, ob er sich nicht in dichten Wolken verbirgt, auch wenn der Himmel klar ist. Der Fuji ist mit 3776 m Höhe der höchste Berg Japans, und an klaren Tagen kann man ihn wunderschön auch von Tokyo aus sehen. Früher, als die Bebauung noch niedrig war, konnte man sogar vom Residenzgarten aus einen Blick auf ihn werfen. In Deutschland wird er übrigens meist falsch ausgesprochen: „Fujiyama“. Das ist ein Missverständnis, denn das japanische Schriftzeichen für Berg () kann sowohl „yama“ als auch „san“ ausgesprochen werden. „San“ ist aber die einzige korrekte Aussprache im Verbindung mit dem Fuji: „Fuji-san.“

© Hans Carl von Werthern

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Hakone ist einer besten Orte, Mount Fuji aus verschiedenen Perspektiven zu erleben. Zwei Tage sind wir hingefahren, und das war auch eine gute Idee. Am ersten Tag nämlich regnete in Strömen. Glücklicherweise wartet Hakone mit einer Menge kultureller Attraktionen auf. Eine davon ist das Pola-Museum, das erst 2002 eröffnet wurde, auch um die private Gemäldesammlung des Gründers der Firmengruppe Pola, drunter viele französische Impressionisten, öffentlich zugänglich zu machen. Das Museum fügt sich mit seiner modernen Architektur wunderbar in die Landschaft Hakones ein – der größte Teil befindet sich im Untergrund.

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Am zweiten Tag aber schien die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Und so machten wir uns auf den Weg über den beliebten Rundkurs um Hakone mit der Bergbahn, der Seilbahn, mit dem Schiff über den Ashi-See, zu Fuß und mit dem Bus. Die Mittelstation der Seilbahn heißt Owakudani („großes kochendes Tal“), benannt nach dem Hochtal, das in einer dramatischen Landschaft immerzu Schwefeldämpfe ausstößt und deswegen treffend „großes kochendes Tal“ heißt. Manchmal ist die Konzentration des Schwefeldioxids so hoch, dass die Seilbahn geschlossen werden muss. Wir bekamen für den Fall der Fälle medizinische Feuchttücher, die man sich vor Mund und Nase halten konnte – war aber nicht notwendig. Im Owakudani labt man sich an den berühmten schwarzen Eiern, die in den heißen Quellen gekocht werden und deren Schale sich durch die Mineralien blau-schwarz verfärbt. Pro verzehrtem Ei soll soll man sieben Jahre länger leben. Ob diese Wirkung eintreten wird, kann heute noch nicht beurteilt werden.

Anschließend fährt man mit der Seilbahn auf der anderen Seite wieder hinunter zum See und besteigt eines der Boote, die regelmäßig zwischen der Nordspitze des Sees und Hakone hin und her fahren. Warum sie alten Piratenschiffen nachempfunden sind, konnte mir bisher noch niemand erklären.

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Von hier aus laufen wir zur alten Zollstation (Hakone Sekisho), die früher den Zugang nach Edo, wie Tokyo damals hieß, auf der Straße und über den See kontrollierte. Die Daimyo genannten Landesfürsten mussten einmal im Jahr in die Hauptstadt kommen. Damit sie nicht zu mächtig wurden, blieben ihre Familien in Edo. Um einen Aufstand zu verhindern, wurden sie auf dem Weg in die Stadt auf Waffen überprüft. Noch intensiver allerdings sollen sie darauf kontrolliert worden sein, dass sie nicht auf dem Rückweg ihre Frauen und Kinder aus Edo mitnahmen. Heute ist die Zollstation als Freilichtmuseum ausgebaut, und man hat vom Beobachtungsturm einen herrlichen Blick über den See.

Von Hakone-machi aus aber hat man den schönsten Blick auf den Fuji-san. Dass wir ihn so klar sehen konnten, war schon ein besonderes Glück.

© Hans Carl von Werthern

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