Über das Fangen von Enten in Netzen (Duck Netting) – Young Germany Japan

Blog: ドイツ大使が見た日本
Über das Fangen von Enten in Netzen (Duck Netting)

© Hans Carl von Werthern
© Hans Carl von Werthern

Zu den Privilegien von Botschaftern in Japan gehört es, vom Kaiserlichen Hofamt zum „Duck Netting“ eingeladen werden. Diesmal waren auch wir dabei, und ich will gleich sagen, dass es kaum eine zivilisiertere Art gibt als diese, einen Arbeitstag zu verbringen.

Es gibt zwei kaiserliche Wildentenparks, beide in der Nähe von Tokyo gelegen. Wir waren in den kleineren von beiden nach Koshigya in der Präfektur Saitama eingeladen. In einem idyllischen gelegenen Wäldchen befindet sich ein etwa 130 mal 100 Meter großer Teich, von dem eine Menge schmale Stichkanäle abgehen. Den Teich suchen zwischen Ende August und Anfang Mai mehr als zehn Wildentenarten auf, die auf ihrem Zug von und nach Sibirien und Nordamerika hier rasten. Dies machen sich die kaiserlichen Wildhüter zunutze, um die Enten zu beringen, zu registrieren und sie wieder in die Freiheit zu entlassen. Von Zeit zu Zeit dürfen Botschafter und Botschafterinnen, ihre Ehepartner und ihre ledigen Töchter über 18 Jahren dabei helfen.Wenn das kein Einsatz ausländischer Arbeitskräfte ist!

© Hans Carl von Werthern

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Der Tag Ende November war kalt und nass, also ideales Entenwetter. Nach der Ankunft im Park wurden wir zunächst gastlich bei einer Tasse Tee empfangen, angeboten natürlich von weiß-livierten Dienern auf Silbertabletts. Immer sind ein oder zwei Mitglieder der kaiserlichen Familie dabei, in unserem Fall Prinzessin Hitachi, die Schwägerin des Kaisers, und ihre Nichte Yoko, mit denen wir uns nett und ungezwungen unterhalten. Dann werden alle Teilnehmer mit Mänteln, Hüten, Gummistiefeln usw. ausgerüstet, soweit sie die nicht schon mitgebracht haben.

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Danach gibt es zur Einführung einen Film, der den Sinn der Übung erklärt und Anweisungen zum Verhalten gibt. Um die Enten beringen zu können, müssen sie zunächst eingefangen werden. Dabei helfen abgerichtete Hausenten, die gelernt haben, dass es in den Stichkanälen Futter gibt, wenn sie hören, dass mit einem Holzhammer auf ein Holzbrett geklopft wird. Wenn dieses Geräusch erklingt, schwimmen sie eilig in den betreffenden Kanal, gefolgt von ihren wilden Artgenossen. Wenn sich der Kanal mit Enten gefüllt hat, wird am Eingang ein Gitter hochgezogen, so dass die Enten den Kanal nur noch fliegend verlassen können. Dabei sollen sie in großen Netzen an langen Bambusgriffen gefangen und eingesammelt werden. Auf diese Weise werden Verletzungen der Enten vermieden.

© Hans Carl von Werthern

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Auf dem Weg zu den Kanälen gibt es dann noch eine Trockenübung. Wir wären nicht in Japan, wenn nicht alles genau geregelt wäre. Jeder Teilnehmer bekommt eine Nummer von 1 bis 5 in schwarz oder rot, die anzeigt, wo genau er am Kanal stehen soll. Wir bekommen noch einmal genau erklärt, dass wir leise sein sollen, um die Enten nicht zu erschrecken, und dass wir die Netze erst dann schwingen sollen, wenn die Enten aufgeflogen sind.

Dann stellen wir uns mit unseren Netzen mucksmäuschenstill so auf, dass uns die Enten nicht sehen können, und auf ein Zeichen des Hegemeisters treten wir an den Kanal heran. Es zeigt sich, dass die ausführlichen Erklärungen nicht bei allen gefruchtet haben, und manche fuchteln mit ihren Netzen über dem Kanal herum. Enten mögen zwar nicht die intelligentesten Lebewesen sein, aber so dumm, dass sie in Netze vor ihrem Schnabel hineinfliegen, sind sie nun auch wieder nicht.

© Hans Carl von Werthern

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Nach einigen Versuchen gehen dann aber doch ein paar Enten ins Netz. Auf ein Zeichen des Wildhüters ziehen wir uns zurück, und die Helfer, die eigentlich bereitstehen, um uns mit Ersatznetzen zu versorgen, fangen den (großen) Rest ein.Mit einer geschickten Handbewegung stecken sie den Kopf der Enten unter ihren Flügel, so dass sie nicht mehr fliegen können – angeblich tut das nicht weh -, und sammeln sie in großen Körben. Dann beginnt die Prozedur an einem anderen Kanal von neuem.

 

© Hans Carl von Werthern

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Am Ende haben wir 139 Enten gefangen, davon waren ausweislich ihrer Ringe 77 schon einmal hier. Die Erfahrung des Einfangens und Beringens kann also so traumatisch nicht gewesen sein. Danach gibt es für uns einen Aperitif und ein wunderbares Mittagessen.

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Ja, es ist auch Entenbrust dabei, aber nicht von den Enten, die wir gefangen haben. Denn anschließend werden die beringten Enten wieder in die Freiheit entlassen, eine Aktion, die auch den Nüchternen unter uns große Freude macht. Bei der Abfahrt sind wir dankbar für den Tag, aber auch überzeugt davon, dass unser Einsatz die Neigung der Japaner, ausländische Arbeitskräfte einzusetzen, nicht nachhaltig gestärkt haben dürfte.

© Hans Carl von Werthern

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